DER BUNDWERKSTADL DES ANTHALERHOFES
IN HAIGERMOOS

zusammengestellt von Georg und Franz Felber im Jahr 1981

Der Erbauer des Stadls, Johann Georg Damoser, hat einen Bauplan und Aufzeichnungen über Ausgaben während der Bauzeit hinterlassen. Der Bauplan wurde vom Zimmerermeister Johann Maier aus Ernsting im Februar 1862 entworfen und in Waldshut in Bayern am 31.7.1862 genehmigt. Abweichend vom Plan wurde an der Giebelseite kein Bundwerk angebracht.

    Die Abmessungen des Stadels betragen:
    Länge: 26,5 m (ca.- 14 Wiener Klafter)
    Breite: 15 m (ca. 8 Wiener Klafter)
    1 Wiener Klafter = 1,89648 m = 6 Fuss
    1 Fuss = 31,608 cm

    Die Abmessungen des im Inneren befindlichen doppelten Tennenkasten betragen:
    Länge: 2 x 3,3 m und Breite; 7,6 m

Am 6. November 1871 haben die Zimmerer mit dem Holzhacken begonnen. Verwendet wurde Fichtenholz. Im Winter 1871/72 wurde das Bundwerk von sechs Zimmerern abgebunden und die .notwendigen Nägel aus Zwetschkenbaumholz geschnitzt. Jeder Holznagel wurde in das vorgestemmte Loch eingepasst. Es wurden 4.100 Stück normale Holznägel und 140 Stück mit einem schön geformten Vierkantkopf für das Stadlinnere hergestellt.

Im Herbst 1871 sind 27 Gulden als Lohnausgaben verzeichnet. Für das Ausschneiden der Windfangläden und des Namens sind 11 Gulden und 50 Kreuzer eingetragen. Vom 18. März 1872 bis 14. September 1872 erhielten die Zimmerer für 860 Tagschichten und der Meister für 22 Tagschichten insgesamt 74 Gulden und 10 Kreuzer. Die Auszahlung erfolgte wöchentlich.

Während der Bauzeit wurden 417 Maß Bier getrunken. Eine Maß Bier kostete 14 Kreu- zer. Die Ausgaben für das Bier lauten auf 50 Gulden.

Am 31. Mai 1872 wurde der Stadl aufgestellt. An diesem Tag wurden zwei Eimer (Faßl = 20 Maß) und 1 Fass mit 18 Mass Bier getrunken; dies entspricht einer Ausgabe von ca. 11 Gulden und 23 Kreuzern. Es haben also ungefähr 50 Männer beim Aufstellen mitgearbeitet.

Für das Dach mussten 42.000 Holzschindeln (Schar) geschnitten werden, welche 16 Zoll (ca. 40 cm) lang waren. Für die Verkleidung des Schar-Mantels (Westgiebelseite) wurden 5.000 Holzschindeln aufgebraucht. 60 Gulden wurden für 120.000 Scharschindel- stifte ausgegeben.

Insgesamt gingen ca. 250 Festmeter Fichtenholz zum Bau der Scheune auf.

Im Jahre 1922 wurden die Holzschindeln durch ein Falzziegeldach ersetzt. Die 10.000 benötigten Falzziegel kosteten 3 Mill. Kronen und wurden in Bürmoos hergestellt.

1960 wurden auch die Holzschindeln an der Westgiebelseite durch eine Eternitwand ersetzt. Die Tennbodenplatten wurden im Jahre 1970 durch Beton ersetzt.

Dieser Stadl ist wegen seines herrlichen Bundwerkes im Buch "Alte Bauernherrlichkeit" von Max Kislinger (Abbildung Seite 61) und im Buch "Österreichs Landschaft und Kunst" von Viktor Griesmaier (Abbildung Seite 31, Nr. 101) sowie im Buch “Zimmererkunst am Bauernhaus” von Stroemer W. Hans beschrieben und dargestellt.

 

Zur Funktion des Bundwerkstadls

Der Stadl diente zur Lagerung des Getreides. Früher wurde im Innviertel ungefähr 70 % Getreideanbau betrieben, daher es notwendig so große Scheunen zu bauen.

Auf der Ostseite befindet sich die Korn (= Roggen)tenne (= Durchfahrt), auf der West- seite die Hafertenne,

Östlich der Korntenne bestehen zwei Kornössen und zwischen den beiden Tennen die Samenkornössen. Das Wort Öse, im bayrischen auch Ose, bedeutet eigentlich “Viertel” oder “abgetrennter Raum”.
In diesen Össen waren 40 - 50 Fuhren Roggen gelagert. Auf seiner Fuhre hatten ungefähr 50 so genannte "Mandl" (= 5 abgebrochene Garben mit Ähren nach unten) oder Kapuziner (= 5, mit Ähren nach oben aufgestellte, zusammengebundene Garben) Platz.

20 - 25 Fuhren Weizen waren auf dem Tennenkasten (Denkastl) und auf den beiden "Hochbretten" gelagert.

Bei normalen Ernteerträgen war der Stadl bis zum Dach mit Getreide gefüllt.

Das Dreschen des Getreides war eine anstrengende Arbeit. Meist schwangen sechs "Drescher", manchmal sogar zwölf, im Takt ihre Plenkel. Nach der Ernte wurde erstens das Sommergetreide gedroschen. Oft hörte man vom Herbst bis Weihnachten von 6 Uhr früh bis 6 Uhr abends an vielen Orten die schönen Drescherklänge.

Nach der Jahrhundertwende wurde mit Hilfe einer Dreschmaschine (Dampfmaschine) gedroschen. Zur Durchführung dieser Art des Dreschens wurden ungefähr 22 Personen benötigt. Am Abend war es dann bei volkstümlichem Spiel und Tanz immer sehr lustig.

Ab dem Jahr 1970 steht der Bundwerkstadl als Bauernmuseum in Verwendung. Einge- richtet mit vielen Geräten vergangener Jahrhunderte steht er den Interessierten zur Besichtigung zur Verfügung.
 

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zuletzt geaendert am 30.06.2009